Bezirksverband der KAB Main-Rodgau

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Stand vom 23.07..2009

Bezirkssekretariat:
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Tel.: 069 / 83 91 81
E_Mail: irmgard.a.braun@gmx.de

Alois.Kunz.M@t-online.de

                                                            

KAB-Wallfahrt zur Liebfrauenheide in Hainstadt

Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach griff in seiner Predigt die heutige soziale Situation auf.

Ausgehend vom Biblischen Text: „Das Exil ist die Strafe für das Versagen der Eliten. Sie haben sich nicht um das Volk gekümmert, haben es unterdrückt und gespalten, versprengt und zugrunde gerichtet. Sie haben sich Paläste gebaut und andere unentgeltlich für sich arbeiten lassen.“ Bescheinigte Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ., ehem. Leiter von St. Georgen, Frankfurt, den Eliten von Banken, den Politikern und Krichen ein schlechtes Zeugnis. „Eine beispiellose Finanz- und Wirtschaftskrise hat alle Länder erfasst. Wie konnte es dazu kommen? Die Eliten haben versagt.“ So Pater Hengsbach. „Die Banken haben Fehler gemacht, aber die eigentliche Krisenursache war das Versagen des Staates“, erklärte ein führender Bankenvertreter und schiebt die Verantwortung ab. „Gier“ ist zum Zauberwort geworden, das die Misere erklären soll. „Die Manager haben ihre Aufsichtspflicht verletzt und haben andere überredet, etwas zu kaufen, was sie selbst nicht verstanden haben. Ihr Ehrgeiz bestand darin, das eigene Unternehmen um jeden Preis in die erste Liga aufrücken zu lassen. „Wir müssen wieder zum Sozialstaat und einer Verteilungsgerechtigkeit zurück. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“ dies forderte Pater Hengsbach.

  Bericht in der Bistumszeitung "Glaube und Leben" zum Runterladen

Der Jubiläumsgottesdienst der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB Bezirk Main Rodgau, der am 19. Juli 2009 gefeiert wurde, sollte an die berühmte soziale Predigt von Bischof Wilhelm Emanuel von Ketteler im Jahre 1869 auf der Liebfrauenheide erinnern. Zu diesem Gottesdienst wurde der Jesuitenpater, Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach als Prediger eingeladen. Der Gottesdienst musste, wegen des schlechten Wetters, kurzfristig von der Liebfrauenheide nach Hainstadt in die Pfarrkirche St. Wendelinus verlegt werden.

Bezirkspräses der KAB, Dekan Dieter Bockholt, Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ., Ludwigshafen, Diözesanpräses von Kolping, Pfarrer Harald Christian Röper aus Eppertshausen und KAB-Präses Klaus Herbert aus Mühlheim zelebrierten die Eucharistiefeier. Bezirksvorsitzende Irmgard A. Braun und Dekan Dieter Bockholt begrüßten über 160 Teilnehmer, die trotz Regen gekommen waren.

Pater Friedhelm Hengsbach SJ. ging in seiner Predigt von der Bibelstelle „Wehe den Hirten, die meine Schafe zugrunde richten!“ aus, Jeremia 23, 1-6 aus „Gott zieht die Eliten zur Rechenschaft. Denn sie haben sich des Volkes bemächtigt, das Gott gehört. Er erinnert sie daran, dass sie seinen Geboten und seiner Aufsicht unterstehen. Er tut ihnen das an, was sie den Menschen angetan haben.“

Pater Hengsbach sprach über Fehlverhalten von Einzelnen und auch von Eliten. Er kam sehr schnell auf die heutige, aktuelle gesellschaftliche Situation und Krise. Auch sprach er davon, dass der Riss zwischen Reichen und Armen in den letzen zehn Jahren sehr viel tiefer geworden sei. Gleichzeitig die Verteilungskräfte des Marktes materialistischer erfolgten und die Natur bzw. die Welt immer stärker ausgebeutet werde.

Zur jetzigen Finanzkrise meinte Pater Hengsbach: „Obwohl Finanzkrisen zum Kapitalismus dazu gehören, ist dies Krise außergewöhnlich, weil sie eine monetäre, ökologische und soziale Dimension hat und weil sie von einer ruckartigen Umkehr der Deutungsmuster begleitet ist, die dreißig Jahre beherrschend waren.“ Auch setzte er sich kritisch mit den Schuldzuweisungen der Banker und Manager auseinander: „Wie konnte es dazu kommen? Die Eliten haben versagt. Die Banken haben Fehler gemacht, aber die eigentliche Krisenursache war das Versagen des Staates“, erklärte ein führender Bankenvertreter. Pater Hengsbach: „‚Gier’ ist zum Zauberwort geworden, das die Misere erklären soll: Einfache Leute, die sich ein eigenes Haus wünschten, haben über ihre Verhältnisse gelebt. Die Händler haben auf möglichst hohen Umsatz gestarrt. Die Manager haben ihre Aufsichtspflicht verletzt und haben andere überredet, etwas zu kaufen, was sie selbst nicht verstanden haben. Ihr Ehrgeiz bestand darin, das eigene Unternehmen um jeden Preis in die erste Liga aufrücken zu lassen.“

Besonders hart ging Pater Hengsbach mit den „Wissenschaftseliten“ ins Gericht, die immer mehr Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Aufweichung des Kündigungsschutzes und der Privatisierung der Sozialsysteme fordern würden.

Pater Hengsbach: „Individuelles Fehlverhalten erklärt jedoch nicht die Tiefe und Reichweite der Krise. Tugendhaftes Handeln gelingt nicht, wenn das System korrumpiert ist. Wer hat es korrupt gemacht? Die Finanzeliten: Jahrzehntelang sind bürgerliche Kampagnen gegen den Sozialstaat zu Felde gezogen. Er sei zu teuer, auf Dauer nicht finanzierbar und fehlgeleitet. Das Volk solle Abschied nehmen von der Verteilungsgerechtigkeit. Der neue Name für Gerechtigkeit laute: Leistungs- und Marktgerechtigkeit. Wer mehr leiste, sollte auch besser entlohnt werden. Deshalb seien die Verdienste stärker zu spreizen, Tarifverträge zu flexibilisieren, Sozialleistungen zu kürzen und der Kündigungsschutz zu lockern. Die Banken sollten sich weniger um die Kunden als vielmehr darum kümmern, dass der Kauf und Verkauf von Unternehmen finanziert wird. Unternehmen seien zuerst eine Kapitalanlage in den Händen der Aktionäre, die Interessen der Belegschaften, der Verbraucher und der Kommunen sind nachrangig. Die Finanzmärkte seien eine Art fünfter Gewalt in der Demokratie.“

Pater Hengsbach weiter: „Es muss wieder gelingen, dass Leistungsschwächere, Kranke und Behinderte wieder einen, ihnen angemessenen Platz in unserer Gesellschaft erhalten. Es kann nicht sein, dass die Sozialsysteme abgeschafft und Banken und ‚systemrelevante’ Unternehmen gestärkt werden und für Hartz IV-Betroffene ‚Tafeln’ von einzelnen Personen organisiert werden müssen, um zu überleben“. Pater Hengsbach: „Und die kirchlichen Eliten? Nach dem gemeinsamen Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage sind sie verstummt, als wäre dies ein Betriebsunfall gewesen. Den Sozialabbau der Agenda 2010 und der Hartz-Gesetze haben sie zunächst unterstützt. Dann haben sie zur tätigen Nächstenhilfe aufgerufen, zur Barmherzigkeit und zum Samariterdienst. Sie ‚tafeln’, aber verkürzen nicht die Zeit der Ausbeutung und Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Der Papst schreibt ein Sozialrundschreiben aus der Perspektive eines außen stehenden, wohlwollenden Beobachters – entrückt und abgeklärt. Das Wort Kapitalismus nimmt er nicht in den Mund. Der Markt ist weder gut noch ungut. Es kommt darauf an, was die Menschen daraus machen. Verzerrungen und Missstände müssen beseitigt werden. Das Denken und die Wahrheit scheinen dem Glauben näher zu stehen als die richtige Praxis. Wie gehen die kirchlichen Eliten mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen um? Sie bieten keine gute und gerechte Arbeit. Wie gehen sie mit ihren Gemeinden um? Sie halten die Tradition partnerloser Priester für wichtiger als die pastoralen Bedürfnisse der Menschen. Wie gehen sie mit den Frauen um? Sie verletzen der Grundrechte und meinen, Gott damit einen Gefallen zu tun.“

Bezirksvorsitzende Irmgard A. Braun dankte dem Jesuitenpater Friedhelm Hengsbch für seine treffende Predigt, der sozialen Beurteilung und seiner Emutigung, sich weiter auf die Seite der Schweichen zu stellen. Sie überreicht Frau Elisabeth Hengster die Kollekte für das Bildungshaus „Altes Pfarrhaus Wickstadt“ die 418,00 Euro erbrachte.Ebenso bedankte sie sich bei allen Helfern, die auch für das gemeinsame Frühstück, dem diesmal die frische Waldluft an der Gnadenkapelle fehlte, im Hainstädter Gemeindezentrum sorgten.

  Alois Kunz, Mühlheim