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klicken Sie weiter auf: Mitglied Stand vom 23.07..2009 Bezirkssekretariat: |
KAB-Wallfahrt
zur Liebfrauenheide in Hainstadt Jesuitenpater
Friedhelm Hengsbach griff in seiner Predigt die heutige soziale Situation auf.
Ausgehend vom Biblischen Text:
„Das Exil ist die Strafe für das Versagen der Eliten. Sie haben sich nicht um
das Volk gekümmert, haben es unterdrückt und gespalten, versprengt und
zugrunde gerichtet. Sie haben sich Paläste gebaut und andere unentgeltlich für
sich arbeiten lassen.“ Bescheinigte Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ., ehem.
Leiter von St. Georgen, Frankfurt, den Eliten von Banken, den Politikern und
Krichen ein schlechtes Zeugnis. „Eine beispiellose Finanz- und
Wirtschaftskrise hat alle Länder erfasst. Wie konnte es dazu kommen? Die Eliten
haben versagt.“ So Pater Hengsbach. „Die Banken haben Fehler gemacht, aber
die eigentliche Krisenursache war das Versagen des Staates“, erklärte ein führender
Bankenvertreter und schiebt die Verantwortung ab. „Gier“ ist zum Zauberwort
geworden, das die Misere erklären soll. „Die Manager haben ihre
Aufsichtspflicht verletzt und haben andere überredet, etwas zu kaufen, was sie
selbst nicht verstanden haben. Ihr Ehrgeiz bestand darin, das eigene Unternehmen
um jeden Preis in die erste Liga aufrücken zu lassen. „Wir müssen wieder zum
Sozialstaat und einer Verteilungsgerechtigkeit zurück. Der Mensch muss im
Mittelpunkt stehen“ dies forderte Pater Hengsbach. Der Jubiläumsgottesdienst
der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB Bezirk Main Rodgau, der am 19. Juli
2009 gefeiert wurde, sollte an die berühmte soziale Predigt von Bischof Wilhelm
Emanuel von Ketteler im Jahre 1869 auf der Liebfrauenheide erinnern. Zu diesem
Gottesdienst wurde der Jesuitenpater, Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach als Prediger
eingeladen. Der
Gottesdienst musste, wegen des schlechten Wetters, kurzfristig von der
Liebfrauenheide nach Hainstadt in die Pfarrkirche St. Wendelinus verlegt werden. Bezirkspräses
der KAB, Dekan Dieter Bockholt, Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ., Ludwigshafen,
Diözesanpräses von Kolping, Pfarrer Harald Christian Röper aus Eppertshausen
und KAB-Präses Klaus Herbert aus Mühlheim zelebrierten die Eucharistiefeier.
Bezirksvorsitzende Irmgard A. Braun und Dekan Dieter Bockholt begrüßten über
160 Teilnehmer, die trotz Regen gekommen waren. Pater
Friedhelm Hengsbach SJ. ging in seiner Predigt von der Bibelstelle „Wehe den
Hirten, die meine Schafe zugrunde richten!“ aus, Jeremia 23, 1-6 aus „Gott
zieht die Eliten zur Rechenschaft. Denn sie haben sich des Volkes bemächtigt,
das Gott gehört. Er erinnert sie daran, dass sie seinen Geboten und seiner
Aufsicht unterstehen. Er tut ihnen das an, was sie den Menschen angetan
haben.“ Pater
Hengsbach sprach über Fehlverhalten von Einzelnen und auch von Eliten. Er kam
sehr schnell auf die heutige, aktuelle gesellschaftliche Situation und Krise.
Auch sprach er davon, dass der Riss zwischen Reichen und Armen in den letzen
zehn Jahren sehr viel tiefer geworden sei. Gleichzeitig die Verteilungskräfte
des Marktes materialistischer erfolgten und die Natur bzw. die Welt immer stärker
ausgebeutet werde. Zur
jetzigen Finanzkrise meinte Pater Hengsbach: „Obwohl Finanzkrisen zum
Kapitalismus dazu gehören, ist dies Krise außergewöhnlich, weil sie eine
monetäre, ökologische und soziale Dimension hat und weil sie von einer
ruckartigen Umkehr der Deutungsmuster begleitet ist, die dreißig Jahre
beherrschend waren.“ Auch setzte er sich kritisch mit den Schuldzuweisungen
der Banker und Manager auseinander: „Wie konnte es dazu kommen? Die Eliten
haben versagt. Die Banken haben Fehler gemacht, aber die eigentliche
Krisenursache war das Versagen des Staates“, erklärte ein führender
Bankenvertreter. Pater Hengsbach: „‚Gier’ ist zum Zauberwort geworden, das
die Misere erklären soll: Einfache Leute, die sich ein eigenes Haus wünschten,
haben über ihre Verhältnisse gelebt. Die Händler haben auf möglichst hohen
Umsatz gestarrt. Die Manager haben ihre Aufsichtspflicht verletzt und haben
andere überredet, etwas zu kaufen, was sie selbst nicht verstanden haben. Ihr
Ehrgeiz bestand darin, das eigene Unternehmen um jeden Preis in die erste Liga
aufrücken zu lassen.“ Besonders
hart ging Pater Hengsbach mit den „Wissenschaftseliten“ ins Gericht, die
immer mehr Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Aufweichung des Kündigungsschutzes
und der Privatisierung der Sozialsysteme fordern würden. Pater
Hengsbach: „Individuelles Fehlverhalten erklärt jedoch nicht die Tiefe und
Reichweite der Krise. Tugendhaftes Handeln gelingt nicht, wenn das System
korrumpiert ist. Wer hat es korrupt gemacht? Die Finanzeliten: Jahrzehntelang
sind bürgerliche Kampagnen gegen den Sozialstaat zu Felde gezogen. Er sei zu
teuer, auf Dauer nicht finanzierbar und fehlgeleitet. Das Volk solle Abschied
nehmen von der Verteilungsgerechtigkeit. Der neue Name für Gerechtigkeit laute:
Leistungs- und Marktgerechtigkeit. Wer mehr leiste, sollte auch besser entlohnt
werden. Deshalb seien die Verdienste stärker zu spreizen, Tarifverträge zu
flexibilisieren, Sozialleistungen zu kürzen und der Kündigungsschutz zu
lockern. Die Banken sollten sich weniger um die Kunden als vielmehr darum kümmern,
dass der Kauf und Verkauf von Unternehmen finanziert wird. Unternehmen seien
zuerst eine Kapitalanlage in den Händen der Aktionäre, die Interessen der
Belegschaften, der Verbraucher und der Kommunen sind nachrangig. Die Finanzmärkte
seien eine Art fünfter Gewalt in der Demokratie.“ Pater
Hengsbach weiter: „Es muss wieder gelingen, dass Leistungsschwächere, Kranke
und Behinderte wieder einen, ihnen angemessenen Platz in unserer Gesellschaft
erhalten. Es kann nicht sein, dass die Sozialsysteme abgeschafft und Banken und
‚systemrelevante’ Unternehmen gestärkt werden und für Hartz IV-Betroffene
‚Tafeln’ von einzelnen Personen organisiert werden müssen, um zu überleben“.
Pater Hengsbach: „Und die kirchlichen Eliten? Nach dem gemeinsamen Wort zur
wirtschaftlichen und sozialen Lage sind sie verstummt, als wäre dies ein
Betriebsunfall gewesen. Den Sozialabbau der Agenda 2010 und der Hartz-Gesetze
haben sie zunächst unterstützt. Dann haben sie zur tätigen Nächstenhilfe
aufgerufen, zur Barmherzigkeit und zum Samariterdienst. Sie ‚tafeln’, aber
verkürzen nicht die Zeit der Ausbeutung und Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.
Der
Papst schreibt ein Sozialrundschreiben aus der Perspektive eines außen
stehenden, wohlwollenden Beobachters – entrückt und abgeklärt. Das Wort
Kapitalismus nimmt er nicht in den Mund. Der Markt ist weder gut noch ungut. Es
kommt darauf an, was die Menschen daraus machen. Verzerrungen und Missstände müssen
beseitigt werden. Das Denken und die Wahrheit scheinen dem Glauben näher zu
stehen als die richtige Praxis. Wie gehen die kirchlichen Eliten mit ihren
Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen um? Sie bieten keine gute und gerechte Arbeit.
Wie gehen sie mit ihren Gemeinden um? Sie halten die Tradition partnerloser
Priester für wichtiger als die pastoralen Bedürfnisse der Menschen. Wie gehen
sie mit den Frauen um? Sie verletzen der Grundrechte und meinen, Gott damit
einen Gefallen zu tun.“ Bezirksvorsitzende
Irmgard A. Braun dankte dem Jesuitenpater Friedhelm Hengsbch für seine
treffende Predigt, der sozialen Beurteilung und seiner Emutigung, sich weiter
auf die Seite der Schweichen zu stellen. Sie überreicht Frau Elisabeth Hengster
die
Kollekte für das Bildungshaus „Altes Pfarrhaus Wickstadt“ die 418,00 Euro erbrachte.Ebenso
bedankte sie sich bei allen Helfern, die auch für das gemeinsame Frühstück,
dem diesmal die frische Waldluft an der Gnadenkapelle fehlte, im Hainstädter
Gemeindezentrum sorgten. |