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Die unseligen Äußerungen des FDP-Außenministers
Westerwelle vor etwa zwei Wochen haben anhaltende Diskussionen um Hartz
IV und seine Anwendung verursacht. Hatte doch der Minister vielen
Beziehern von Transferleistungen Arbeitsunwilligkeit vorgeworfen und
Sanktionen gefordert. Wie so oft hatte der Minister einerseits wenig
Feingefühl und andererseits wenig Sachkenntnis bewiesen. Nach dem Motto
„Wir da oben, ihr da unten“ hatte der Neoliberale insbesondere auf
diejenigen Arbeitslosen eingeprügelt, die im Regelfall völlig
unverschuldet in diese missliche Lage geraten sind. Dabei hat
Westerwelle total übersehen, dass die Hartz IV-Regelungen bereits
ausreichende Sanktionen für den Fall vorsehen, dass zugewiesene
zumutbare Arbeiten nicht angenommen werden.
Auslöser der Attacken des Bundesaußenministers und
FDP-Oberen war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach die
Hartz IV-Sätze (besonders die für Kinder) durchschaubar und
nachvollziehbar neu zu ermitteln sind. Westerwelle und die übrigen
Diskutanten auf der Arbeitgeberseitebemängeln den angeblich fehlenden
Anreiz zur Aufnahme einer zumutbaren Arbeit. Dabei wird dann das
Lohnabstandsgebot zitiert, wobei aber geflissentlich übersehen wird,
dass nicht die Hartz IV-Regelsätze zu hoch sondern die Löhne im Schnitt
zu gering sind! Das wiederum liegt am Fehlen einer umfassenden
gesetzlichen und tariflichen Festschreibung von Mindestlöhnen. Solche
gibt es bisher nur für wenige Branchen. Auch muss über Verbesserungen
bei den Hinzuverdienstgrenzen nachgedacht werden, wenngleich das nicht
der bevorzugte Lösungsweg sein kann. Wichtiger wäre es natürlich,
möglichst viele Arbeitssuchende in eine geregelte und richtig bezahlte
Arbeit zu vermitteln. Ob das aber gelingt, indem man die Struktur der
Arbeitsagenturen wieder zerschlägt, ist sehr fraglich.
Während die einen über zu hohe Regelsätze
lamentieren stellt fast gleichzeitig das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem jüngsten Armutsbericht fest, dass
2008 jeder siebte Bundesbürger von Armut bedroht war. Im Jahre 2005 war
es nur jeder Achte! Hauptsächlich betroffen sind Alleinerziehende und
Paare mit mehreren Kindern – ein unhaltbarer Zustand in so einem reichen
Land. Auf diesem Feld könnte sich Westerwelle mit praktikablen
Vorschlägen verdient machen!
Ferdinand Puhe
28.02.10 |