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Ferdinand Puhe
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Steuererleichterungen
– für wen?
Gedanken eines KAB’lers
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Voller Skepsis
berichten in diesen Tagen auch mehrere Mitte-Rechts-orientierte Zeitungen
über das Basteln der Koalition an dem Paket der Steuerentlastungen, das
Anfang des nächsten Jahres in Kraft treten soll. Mit den
milliardenschweren Maßnahmen wollen die Gelb-Schwarzen ihre
Wahlversprechen einhalten, auf Biegen oder Brechen, ob sinnvoll oder
unsinnig. Deutlich wird aber vor allem eine gewisse Klientelpolitik. Die
unteren Einkommensgruppen werden von all dem nichts haben. Sie müssen
sich vielmehr auf zusätzliche Belastungen einstellen.
So stellte
KAB-Bundesvorsitzender Georg Hupfauer fest, dass „die FDP und die Union
zwar Steuerentlastungen versprechen, doch mit den Reformen im
Gesundheitssystem und bei der Pflege wird wieder das aus der Tasche
genommen, was man angeblich in die andere reinstecken will.“ Tatsächlich
plant die Koalition die Einführung einer Kopfpauschale, die vor allem
Geringverdiener über Gebühr belasten würde. Besserverdienende würden
sich dann noch mehr als bisher durch zusätzliche Versicherungen
entsprechende Mehr- und Besser-Leistungen bei Ärzten oder im Krankenhaus
erkaufen. Dann ist die Zwei-Klassen-Medizin perfekt! Richtiger wäre die
Realisierung einer alten – und weiter aktuellen – Forderung der KAB
nach einer Beitragsbemessungsgrundlage auf alle Einkommensarten.
Die Abkoppelung von
Beitragsteilen für Gesundheit und Pflege aus dem solidarischen System ist
nun gar völlig inakzeptabel. Das wäre tatsächlich eine „Rolle rückwärts
weit hinter die Bismarck’schen Sozialgesetze“, wie es Georg Hupfauer
bezeichnete.
Der von der FDP
propagierte Steuer-Stufentarif wird u. a. von Horst Seehofer infrage
gestellt, denn es bestehe die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung mehr
bezahlen müssten als derzeit. Eine Herabsetzung des Spitzensteuersatzes
von 45 auf 35 Prozent ist unverantwortlich, ungerecht und unsozial. Nun
will man in einer zu bildenden Kommission diesen Fragenkomplex näher
untersuchen. Lieber sollten sich die Damen und Herren von der „Partei
der Besserverdienenden“ mal die Spekulationssteuer vornehmen, mittels
derer die Gewinnspitzen bei Spekulationsgeschäften mit Wertpapieren
jeglicher Art zugunsten der Staatskasse abgeschöpft werden könnten. Doch
darum machen diese Leute einen großen Bogen.
Dafür möchte die
FDP aber den Kinderfreibetrag bei der Einkommenssteuer von jetzt 6.024
Euro auf 7.008 Euro steigern. Davon profitieren aber nur die
Besserverdienenden ab einem Jahreseinkommen von rund 63,000 Euro, weil
erst dann die Steuerersparnis das alternativ gezahlte Kindergeld übersteigt.
Letzteres will man um ganze 20 Euro erhöhen. Wem ist mit diesen Maßnahmen
geholfen? Dem Normalverdiener sicher kaum.
Zahlreich sind auch
die Steuergeschenke, die man Unternehmen und Erben und nicht zuletzt auch
der Hotellerie machen will. Es darf mit Recht gezweifelt werden, inwieweit
(oder ob überhaupt) diese Vorhaben die Konjunktur ankurbeln können.
Und nun noch das
Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro, das Vollzeitmüttern gezahlt werden
soll! Wie weit müssen sich diese Politiker von der Realität entfernt
haben, wenn sie allen Ernstes glauben, damit würde ein Elternpaar
auskommen, das bisher gezwungen war, zur Bestreitung des Lebensunterhalts
der Familie zu Zweit berufstätig zu sein. Praktiker des Sozialwesens
schlagen vor, mit den hierfür angesetzten 1,6 Milliarden Euro lieber die
Hartz-IV-Sätze für Kinder zu erhöhen.
Ferdinand Puhe
10.11.09
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