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Stand vom 20.04..2010

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Ferdinand Puhe

Zockermentalität auf den Finanzmärkten

KAB-Verantwortliche von aktueller Politik enttäuscht

Zockermentalität auf den Finanzmärkten

KAB-Verantwortliche von aktueller Politik enttäuscht

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise standen im Mittelpunkt der Erörterungen der Verantwortlichen des KAB-Bezirks Main-Rodgau beim Treffen am 14. April in Seligenstadt unter der Leitung von Hans-Peter Müller. Grundlage waren die Ausführungen des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Heiner Flassbeck im Tele-Seminar des Senders 3sat zu den Gründen und Hintergründen der weltweiten Krise.

Der ehemalige Staatssekretär ging offen und schonungslos mit den verantwortlichen Bankern ins Gericht. Denn seit etwa 20 Jahren haben sich die Kreditinstitute von den traditionellen Bankgeschäften mehr und mehr abgewandt und sich einem „Casino-System“ zugewandt, das in Risikogeschäften gipfelt. Dabei wird mit dem anvertrauten Geld wie in Casinospielen spekuliert. Und das Schlimme dabei ist, dass die Politiker lediglich zuschauen und nicht eingreifen. Schlimm ist weiterhin, dass neben den Privatbanken Zug um Zug auch die Sparkassen und Raiffeisenbanken glaubten , hier mitspielen zu müssen. Besonders die Landesbanken als „Oberbanken“ der Sparkassen spielten eine sehr unrühmliche Rolle und gerieten reihenweise an den Rand des Abgrunds. Der Staat musste mit gutem Geld einspringen, um die Einlagen vieler gutgläubiger Bankkunden zu sichern. Bankvorsitzender Ackermann glaubt bis heute, eine Rendite von 25 Prozent erzielen zu müssen, vergisst dabei aber, dass andere Teilnehmer am Finanzmarkt dann die entsprechende Geldmenge verlieren müssen.

Die genannten „gemeinnützigen“ Bankensysteme waren darauf ausgelegt, Anlagen bis ca. 3 % zu verzinsen und Gelder zu bis zu ca. 6 % auszuleihen (Kreditvergabe). Das war solide und schaffte Vertrauen. Inzwischen geriet aber im Sog der allgemeinen Renditesteigerung das klassische 3-6-3-System ins Abseits (die zweite 3 bedeutete, dass zu der Zeit der Sparkassendirektor auf dem Golfplatz war). Auch bei diesen Banken begann in den 90ern die Epoche des „Wettens und Spielens“. So hätten auch diese Kreditinstitute in „Spielbank“ umbenannt werden müssen. Dann wären die Anleger wenigstens gewarnt gewesen. Dass die durch die allgemeine Zockerei entstandenen Milliarden-Ausfälle in der Folge vom Staat – also vom Steuerzahler! – abgedeckt wurden, ist die zweite hierbei zu beobachtende Unmoral. Wie zu beobachten ist, geht nach Abwendung des Schlimmsten die Zockerei inzwischen munter weiter.

Die Teilnehmer des KAB-Bezirksausschusses sind mit Recht entrüstet, dass die Politik die Unmoral der Finanzmanager noch unterstützt, indem eine Abgabe erhoben und ein Fond eingerichtet wird, der die zukünftigen selbstverschuldeten Risiken abdecken soll. Die KAB-Verantwortlichen bezeichneten diese Vorhaben als „schwachsinnig“. Gemäß dem Vorschlag von Prof. Flassbeck hätten die „Zockerbanken“ abgewickelt, d. h. im Insolvenzverfahren aufgelöst werden müssen. Für die KAB-Frauen und –Männer bleibt es unverständlich, dass sogenannte „Schlechte Papiere“ (gezockte Zertifikate) vom Staat aufgekauft werden und die Banken, befreit von diesem Ballast, dann wieder auf dem bisherigen unheilvollen Gleis weiterfahren dürfen. Dies stellt ein ungeheures Versagen der Politik dar. Man gewinnt den Eindruck, die verantwortlichen Politiker hätten keine Ahnung, was sie damit anrichten. Die „Casino“-Mentalität der Banken kann nur durch entsprechende Regulierung seitens des Staates gezügelt werden. Vor allem Sparkassen und Volksbanken müssen daran gehindert werden, diese Spielchen mitzumachen. Der „Normal“-Bürger benötigt ein krisenfestes und verlässliches Bankensystem!

Leider geht auch die geplante Steuerreform in die falsche Richtung. Gemäß Prof. Flassbeck wäre es volkswirtschaftlich richtiger, Hohe Einkommen, Erbschaften und Vermögen stärker zu besteuern, anstatt sie zu entlasten. Die niederen Einkommen allerdings müssten – auch im Sinne einer Konsumankurbelung! – entlastet werden. 

Weitere Veröffentlichungen unter: http://www.flassbeck.de/Deutsch/Aktuelles.html

Ferdinand Puhe

20.04.10