Zockermentalität auf den Finanzmärkten
KAB-Verantwortliche von aktueller Politik enttäuscht
Die Auswirkungen
der Finanz- und Wirtschaftskrise standen im Mittelpunkt der Erörterungen
der Verantwortlichen des KAB-Bezirks Main-Rodgau beim Treffen am 14.
April in Seligenstadt unter der Leitung von Hans-Peter Müller. Grundlage
waren die Ausführungen des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Heiner
Flassbeck im Tele-Seminar des Senders 3sat zu den Gründen und
Hintergründen der weltweiten Krise.
Der ehemalige
Staatssekretär ging offen und schonungslos mit den verantwortlichen
Bankern ins Gericht. Denn seit etwa 20 Jahren haben sich die
Kreditinstitute von den traditionellen Bankgeschäften mehr und mehr
abgewandt und sich einem „Casino-System“ zugewandt, das in
Risikogeschäften gipfelt. Dabei wird mit dem anvertrauten Geld wie in
Casinospielen spekuliert. Und das Schlimme dabei ist, dass die Politiker
lediglich zuschauen und nicht eingreifen. Schlimm ist weiterhin, dass
neben den Privatbanken Zug um Zug auch die Sparkassen und
Raiffeisenbanken glaubten , hier mitspielen zu müssen. Besonders die
Landesbanken als „Oberbanken“ der Sparkassen spielten eine sehr
unrühmliche Rolle und gerieten reihenweise an den Rand des Abgrunds. Der
Staat musste mit gutem Geld einspringen, um die Einlagen vieler
gutgläubiger Bankkunden zu sichern. Bankvorsitzender Ackermann glaubt
bis heute, eine Rendite von 25 Prozent erzielen zu müssen, vergisst
dabei aber, dass andere Teilnehmer am Finanzmarkt dann die entsprechende
Geldmenge verlieren müssen.
Die genannten
„gemeinnützigen“ Bankensysteme waren darauf ausgelegt, Anlagen bis ca. 3
% zu verzinsen und Gelder zu bis zu ca. 6 % auszuleihen (Kreditvergabe).
Das war solide und schaffte Vertrauen. Inzwischen geriet aber im Sog der
allgemeinen Renditesteigerung das klassische 3-6-3-System ins Abseits
(die zweite 3 bedeutete, dass zu der Zeit der Sparkassendirektor auf dem
Golfplatz war). Auch bei diesen Banken begann in den 90ern die Epoche
des „Wettens und Spielens“. So hätten auch diese Kreditinstitute in
„Spielbank“ umbenannt werden müssen. Dann wären die Anleger wenigstens
gewarnt gewesen. Dass die durch die allgemeine Zockerei entstandenen
Milliarden-Ausfälle in der Folge vom Staat – also vom Steuerzahler! –
abgedeckt wurden, ist die zweite hierbei zu beobachtende Unmoral. Wie zu
beobachten ist, geht nach Abwendung des Schlimmsten die Zockerei
inzwischen munter weiter.
Die Teilnehmer des
KAB-Bezirksausschusses sind mit Recht entrüstet, dass die Politik die
Unmoral der Finanzmanager noch unterstützt, indem eine Abgabe erhoben
und ein Fond eingerichtet wird, der die zukünftigen selbstverschuldeten
Risiken abdecken soll. Die KAB-Verantwortlichen bezeichneten diese
Vorhaben als „schwachsinnig“. Gemäß dem Vorschlag von Prof. Flassbeck
hätten die „Zockerbanken“ abgewickelt, d. h. im Insolvenzverfahren
aufgelöst werden müssen. Für die KAB-Frauen und –Männer bleibt es
unverständlich, dass sogenannte „Schlechte Papiere“ (gezockte
Zertifikate) vom Staat aufgekauft werden und die Banken, befreit von
diesem Ballast, dann wieder auf dem bisherigen unheilvollen Gleis
weiterfahren dürfen. Dies stellt ein ungeheures Versagen der Politik
dar. Man gewinnt den Eindruck, die verantwortlichen Politiker hätten
keine Ahnung, was sie damit anrichten. Die „Casino“-Mentalität der
Banken kann nur durch entsprechende Regulierung seitens des Staates
gezügelt werden. Vor allem Sparkassen und Volksbanken müssen daran
gehindert werden, diese Spielchen mitzumachen. Der „Normal“-Bürger
benötigt ein krisenfestes und verlässliches Bankensystem!
Leider geht auch
die geplante Steuerreform in die falsche Richtung. Gemäß Prof. Flassbeck
wäre es volkswirtschaftlich richtiger, Hohe Einkommen, Erbschaften und
Vermögen stärker zu besteuern, anstatt sie zu entlasten. Die niederen
Einkommen allerdings müssten – auch im Sinne einer Konsumankurbelung! –
entlastet werden.
Weitere
Veröffentlichungen unter: http://www.flassbeck.de/Deutsch/Aktuelles.html
Ferdinand Puhe
20.04.10 |