Bezirksverband der KAB Main-Rodgau

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Stand vom 18.01..2010

Bezirkssekretariat:
Herrnstraße 61
63065 Offenbach am Main
Tel.: 069 / 83 91 81
E_Mail: irmgard.a.braun@gmx.de

Alois.Kunz.M@t-online.de

Nachrichten aus der Offenbacher Kante

 


Ferdinand Puhe

 „HARTZ-IV-Jubiläum“ – ein Grund zum Feiern?
 
Gedanken eines KAB’lers

Am 1. Januar 2005 wurde eine der größten Arbeitsmarkt-Reformen der vergangenen Jahrzehnte in Kraft gesetzt. Der Rückblick auf die Praxis der fünf Jahre ergibt ein durchaus zwiespältiges Bild. Je nach (politischer) Farbe oder nach Stand fällt die Beurteilung der praktischen Anwendung der gesetzlichen Regelungen sehr unterschiedlich aus. Fast alle direkt Betroffenen können Hartz IV keine guten Seiten abgewinnen. Das Gesetzeswerk ist weder sozial ausgereift noch wirklich gerecht. Das hat inzwischen auch die neue Arbeitsministerin aufgrund zahlreicher Hinweise eingesehen und Korrekturen angekündigt.

Die durch wilde Spekulationsgeschäfte der Banken verursachte weltweite Wirtschaftskrise erfasst mehr und mehr auch den deutschen Arbeitsmarkt. Zunächst konnte Schlimmeres – vor allem Entlassungen - durch staatlich geförderte Kurzarbeit abgewendet werden, doch nun ist auch dieses Instrument stumpf geworden. Die Krise dauert einfach zu lange, ein Ende ist noch nicht abzusehen. Die „Leiharbeitnehmer“ hat es bereits getroffen. 300 Tausend von ihnen stehen jetzt wieder auf der Strasse. Wie wird es weitergehen?

Inzwischen sind auch die sozialen Sicherungssysteme ins Wanken geraten, was durch eine unglaublich naive Abgaben- und Steuerpolitik noch verstärkt wird. Insbesondere der Koalitionspartner FDP betreibt eine maßlose Klientelpolitik zugunsten solcher Kreise, die das am wenigsten nötig hätten. Die Soziale Marktwirtschaft, die ja eine Koppelung von wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Verantwortung sein soll, gerät völlig aus dem Blickfeld der Verantwortlichen. Dafür bemüht man heute in verräterischer Rhetorik den Begriff „Eigenverantwortung“ und untergräbt die von den frühen Bundesregierungen gelegten Fundamente der sozialen Sicherung. Daraus resultiert, dass unsere Gesellschaft mehr und mehr ihren Zusammenhalt verliert, die Mittelschicht erodiert. Die Ellenbogengesellschaft ist auf dem Vormarsch! Erschreckend wächst die Armut. Vor allem sind Familien – und mehr noch Alleinerziehende! – betroffen. Auf der anderen Seite steigert sich die Reichtumskonzentration, die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer.

Nun soll in der Krankenversicherung die Kopfpauschale eingeführt werden, was heißt, dass alle Versicherungspflichtigen den gleichen Beitrag zahlen sollen. Eine schreckliche Entsolidarisierung und eine grobe Ungerechtigkeit! Die KAB und andere Sozialverbände fordern seit Jahrzehnten die „Bürgerversicherung“, d. h. eine nach Einkommen gestaffelte Beitragleistung aller Bürger, gleich ob selbständig oder angestellt. Alle Einkommen aus allen Quellen müssen sich an den sozialen Aufgaben beteiligen. Das soll nach den Vorstellungen der katholischen Verbände auch für die Rentenversicherung gelten.

Verwiesen sein in diesem Zusammenhang auf eine von der Betriebsseelsorge und den Gewerkschaften geplante Tagesveranstaltung mit Prof. Friedhelm Hengsbach SJ am Freitag, 19 Februar in Darmstadt. Näheres ist in unserem Bezirkssekretariat zu erfahren.

Ferdinand Puhe

16.01.10