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Stand vom 31.05.2008

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Tel.: 069 / 83 91 81
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Nachrichten aus der Offenbacher Kante


Ferdinand Puhe

Armutsberichte – ohne Konsequenzen?

Gedanken eines KAB’lers

Nun liegen sie auf dem Tisch, zwei Armutsberichte. Der eine kommt aus dem Bundesarbeitsministerium und geht leider nur bis 2005. Aus dem zweiten Bericht, erstellt vom Prognos-Institut, zitiert Familienministerin Ursula von der Leyen. Nach dem ersten Bericht gilt jedes achte deutsche Kind als von Armut bedroht, beim zweiten Bericht ist es jedes sechste Kind. Der von Olaf Scholz vorgelegte Bericht hat zudem den Nachteil, dass er die von der derzeitigen Regierungskoalition zu verantwortenden Ergebnisse nicht zeigt – wohl mit Absicht. Aber einmal abgesehen von diesen Feinheiten sind die Einzelergebnisse des Regierungsberichts alarmierend: So geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Immer mehr Mitglieder des Mittelstands rutschten in den Bereich der Armut ab. Die Zahl der Reichen nahm zu. Das von diesem Kreis vertretene Vermögen stieg rapide an. 40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden sind von Armut bedroht, ebenso 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder von Hartz-IV-Empfängern! Zum Glück verhindert das Kindergeld, dass nicht noch weitere 1,7 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze abgleiten.

Weitere Untersuchungen belegen, dass die verfügbaren Einkommen weiter sinken, und zwar von Jahr zu Jahr zwischen 1,1 und 1,3 Prozent. Trotz des Wirtschaftsaufschwungs können sich die Bundesbürger immer weniger leisten, denn das Nettoeinkommen ist deutlich geringer angestiegen als die Teuerungsrate! Eine Familie mit zwei Kindern konnte sich 2004 noch 0,4 Prozent mehr leisten als im Jahr zuvor. In den Jahren 2005 und 2006 nahm ihre Kaufkraft um jeweils 1,1 Prozent ab, 2007 sogar um 1,3 Prozent.

Leider hat sich die Steuerlast vieler Arbeitnehmer – allen Reformen zum Trotz – seit 1990 nur geringfügig verringert. Bedingt durch diese Entwicklungen sind immer mehr Arbeitnehmer (selbst Angestellte des öffentlichen Dienstes) auf zusätzliche Mittel aus Hartz IV angewiesen. Natürlich ist das auch eine Folge von Lohndrückerei, was wiederum die Forderung nach Einführung von Mindestlöhnen verstärkt. Doch in dieser Frage gibt es keinen Konsens innerhalb der Regierungskoalition. Die CDU würde lieber ein nach der Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld auszahlen als gerechte Löhne und gerechtere Steuern gesetzlich zu verankern.

 

Ferdinand Puhe

27.05.08