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Stand vom 05.03.2009

Bezirkssekretariat:
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63065 Offenbach am Main
Tel.: 069 / 83 91 81
E_Mail: irmgard.a.braun@gmx.de

Alois.Kunz.M@t-online.de

Nachrichten aus der Offenbacher Kante


Ferdinand Puhe

Gerechtigkeit auch für Arbeitnehmer?

Gedanken eines KAB’lers: 

Zwei Geschehen dieser Wochen bewegen die Arbeitnehmer, wohl auch noch in der nächsten Zeit: Zum einen der gescheiterte Versuch der Verkäuferin Emmely, in einem Kündigungsschutzverfahren zu ihrem Recht zu kommen und zum anderen die Rettung des Autobauers Opel vor dem drohenden Untergang.

Als „ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität“, hatte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse den abschlägigen Bescheid der zweiten Instanz bezeichnet, womit er viel Beifall fand. Aber nicht alle mochten ihm zustimmen, da tatsächlich die Rechtslage recht verzwickt ist. Bedauerlicherweise wurde aber von den Richtern sowohl in der zweiten als auch in der ersten Verhandlung das wahre Geschehen und die innerbetrieblichen Hintergründe weder geprüft noch berücksichtigt. Wohl jeder wird der Forderung zustimmen können, dass der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern vertrauen muss. Aber warum gilt das nicht auch umgekehrt: Auch der Arbeitnehmer sollte seinem Arbeitgeber bzw. seinen Vorgesetzten vertrauen können.

Leider ist es gerade in den großen Lebensmittel- und Drogerie-Filialketten so, dass Gewerkschaftstätigkeit und Betriebsratsarbeit nicht gern gesehen wird und sogar mit unlauteren Mittel unterbunden wird. Solche Dinge sollen in diesem Fall auch eine Rolle spielen. Eine weitere offene Frage ist, inwieweit ein Verdachtsmoment für eine Untreue bzw. eine Unterschlagung erhärtet sein sollte. Hier klafft die Bewertung zwischen Arbeits- und Strafrecht weit auseinander. Der Gesetzgeber ist gefordert, Nachbesserungen anzubringen und zwar schnellstens!

Was die Bemühungen von Betriebsrat, Politikern und Managern angeht, Opel und seine europäischen Schwestergesellschaften zu erhalten, so ist im Hinblick auf zigtausende Arbeitsplätze (allein in Rüsselsheim 18.500) eine wirksame und nachhaltige Hilfestellung des Staates dringend erforderlich. Da es aber um mehr als 3 Milliarden Euro geht, ist eine Absicherung – auch im Sinne der Steuerzahler – unverzichtbar. Vor allem muss der Gefahr vorgebeugt werden, dass bereit gestellte Finanzmittel an die Muttergesellschaft GM in die USA abfließen. Die derzeitige Verflechtung im GM-Weltkonzern macht eine Trennung der europäischen Töchter von ihrer US-Mutter zwingend erforderlich. Aber einfach wird die Entflechtung nicht sein, da wesentliche Rechte – u. a. an den Opel-Patenten – bei GM liegen. Man darf gespannt sein, wie Politik und Rechtsexperten eine Lösung herbei führen werden. Aber: Schnell muss es gehen, gerade auch im Interesse der Arbeitnehmer!

Eine weitere Pressemeldung dieser Tage ging im allgemeinen Trubel fast unter. Die FDP will den Kündigungsschutz in Firmen mit unter 50 Beschäftigten streichen! Im Bundestagswahlkampf will die Partei der Liberalen für mehr Eigenverantwortung und gegen „bürokratische Auswüchse des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates“ eintreten. Das zeigt wieder einmal, wie verhasst dem Neoliberalismus das Eintreten für Gerechtigkeit und Solidarität ist. Man darf wohl auch feststellen: Hier zeigt sich das hässliche Gesicht des Kapitalismus. Wir KAB’ler aber wissen: Der Faktor Arbeit ist ein wichtigeres und höherwertigeres Gut als der Faktor Kapital!

Ferdinand Puhe

28.02.09