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Stand vom 30.07.2010

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Presse und Öffentlichkeitsarbeit der KAB - Main-Rodgau:


Siegfried J. Michel

Arbeitsrecht lockern?

Verfehlte Zielsetzung

 

Quelle: Offenbach Post vom 29. Juli 2010

Was Hans Heinrich Driftmann: der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammtages (DIHK), da in seiner langen Liste an Forderungen an die Politik aufführt, geht an dem Ziel vorbei, Arbeitslosen den Weg in einen neuen Job zu ebnen. Rechte der Arbeitnehmer und deren Planung für eine sichere Zukunft würden massiv beschnitten.

So drängt Driftmann darauf, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit einzuschränken, weil dies betriebliche Abläufe oft störe. Übersehen hat der DIHK-Präsident, dass viele Menschen dies nicht aus Jux und Dollerei tun, sondern um Familie und Job unter einen Hut zu bringen - etwa weil sie sich um Kinder oder (und) pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen. Entgangen ist dem Mann zudem, dass viele Firmen genau dieses Instrument nutzen, um gute Mitarbeiter zu halten.

Geht es nach dem Wirtschaftsvertreter, so sollte der gesetzliche Kündigungsschutz erst bei Betrieben von mehr als 20 Mitarbeitern (bisher 10) greifen. Das wäre für viele Chefs von kleineren Mittelstandsfirmen ein dickes Plus für mehr Flexibilität in ihrer Personalplanung. Aber: Für Hunderttausende Beschäftigte brächte dies noch mehr Unsicherheit in eine sowieso schon von vielen Unwägbarkeiten geprägten Arbeitswelt. Flexibilität  gut und schön, amerikanische Hire-and-Fire-Praxis indes gehört auf den arbeitsrechtlichen Schrotthaufen.

Auch die sogenannte sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen sollte von zwei auf vier Jahre angehoben werden, meint Driftmann. Vier lange Jahre also müssten sich Arbeitnehmer immer wieder mit der bangen Frage beschäftigen, ob sie ihre Stelle auch im nächsten Jahr noch haben. Für die Psyche ein grausames Spiel. Und: Insbesondere jüngeren Menschen wird es so nahezu unmöglich gemacht, reelle Pläne für eine Familiengründung zu schmieden. Genau solche Unsicherheiten sind schon jetzt mit ein Grund dafür, dass die Deutschen beim Kinderkriegen in Europa Schlusslicht sind.

Verantwortungslos ist die Forderung des Verbandschefs, dass Arbeitgebern künftig erlaubt werden soll, 16-jährige Lehrlinge auch bis 23 Uhr zu beschäftigten. Bei etwas weiteren Wegen zum Arbeitsplatz kämen die Jugendlichen dann wohl erst nach Mitternacht nach Hause. Mit Jugendschutz und Familienfreundlichkeit hat das absolut nichts zu tun.